literatur

literature

Geschichten schreiben ist eine Art, sich das Vergangene vom Halse zu schaffen.
– Johann Wolfgang von Goethe

Writing stories is a way of getting rid of the past.

Anfangs wollte ich die Geschichte der Familie schriftlich für die Kinder und Enkelkinder festhalten, daraus wurde später ein Roman „Die Unwiederbringlichen – Imoschenkos Picasso und die Kinder aus Cighid“. Mehrere Kurzgeschichten und Gedichte folgten. Es ist wie eine Art Befreiung vom Ballast der Vergangenheit, ein Eintauchen in reale, erfahrene Welten oder in Zukunftsszenarien, oder in von Menschen verursachte, traumatisierte Schicksale.

At first I wanted to write down the history of the family for the children and grandchildren, which later became a novel „The Irretrievables – Imoshenko’s Picasso and the Children from Cighid“. Several short stories and poems followed. It’s like a kind of liberation from the baggage of the past, an immersion in real, experienced worlds or in future scenarios, or in traumatized fates caused by people.

Auf dem Weg, Fotografie, 2020
Blick in den Himmel, Fotografie, 2020

Dalis Muse – The Big G.

Eine Kurzgeschichte von Angelika Toma©

A. wollte nicht wie sie sein, obwohl ein bisschen von The Big G. steckte auch in ihr. Zu früh für den Tod, sie war eine der begabtesten und begnadetsten Pop Sängerinnen der Welt wie aus Dalis Gemälden entflohen. Seine Muse, er würde sie bewundern, ein Geschöpf Gottes, ein Mädchen mit reinem Herzen, heute eine erfolgreiche und gebrochene Frau, bettelnd nach Liebe und Anerkennung, nach einem Mann, der sie liebt und mit ihrem Ruhm leben kann, ein starker, junger, weiser Mann. Ein Widerspruch? Gab es zu wenig junge, starke, weise Männer, die junge, erfolgreiche, starke Frauen bewunderten, vor allem nachdem sie die rosarote Brille verloren und ihnen alles zu viel wurde und sie auf nimmer Wiedersehen verschwanden und nur noch die Titelseite einer Klatschkolumne füllten. Die starken, älteren, weisen Männer wollte sie nicht. Wenige, die das Leben eines außergewöhnlichen Stars verstanden und aushalten konnten. Jennis Joplin, Marylin Monroe, Romy Schneider, Whitney Houston, Amy Winehouse lechzten ebenfalls ein Leben lang nach Liebe, nach Mr Right, der bei ihnen blieb, der sie liebte, so wie sie waren, mit den Medienrummel, den täglichen Terminen, den Psychosen, den Schmerzen, der ständigen Unruhe und des großen Drucks, erfolgreich zu bleiben und ihren Fans gerecht zu werden. 

The Big G. drehte im und am Rad. Ruhm, Erfolg, Millionen Fans und 90 Millionen verkaufte Alben, sie konnte nicht entkommen. The Big G. Maschine musste mit allen Mitteln funktionieren. Täglich lebte sie mit der Angst, ihren Fans nicht gerecht zu werden, sie nicht zu enttäuschen, obwohl die Fans sie jeden Tag ein bisschen mehr töteten, weil sie nach neuen Songs und Auftritte schrieen, sie sehen wollten, an ihr zerrten, wenn die Bodyguards sie nicht wie ein Schutzschild bei den Konzerten umgaben, G. hier, G. da, noch ein Autogramm, noch ein Selfie, sie würden sie zerfleischen, weil sie das verkörperte, was sie selbst nicht sein konnten. Nur das Blut des Leidens und des Ruhms würden sie nicht als Trophäe behalten können und sie im Rachen der Gier verschwinden lassen. 

Dalis surrealistische Muse, die Hoffnungen und Sehnsüchte in ihnen weckte, anders zu sein als alle anderen so wie The Big G., ihren Traum zu leben, ihr Ziel zu erreichen, berühmt zu werden mit einer Villa in Malibu, eine Wohnung in New York am Central Park und in den Schweizer Alpen, sich mit VIPs zu umgeben. The Big G.s Leben war für sie unerreichbar, weil sie nie die Chance bekamen oder die Disziplin lernten mit dem G. ihren Traum verfolgte. Sie kämpfte jeden Tag um das Glück am richtigen Ort zu sein, es wurde ihr nichts geschenkt. 

Ihre Eltern waren nicht wohlhabend und wegen ihrer Arbeit nie Zuhause. Drogen wurden ihr Begleiter, worauf der Vater den Kontakt zu ihr abbrach. Sie wurde ausgelacht, weil sie nicht war wie die anderen, sich nicht fügte. Gut so. 

A. tat es auch nicht.

Alle projizierten ihre unerfüllten Träume und Wünsche auf G., alle wollten so sein wie sie. Der Druck, die Fans, die Musikproduzenten, die Musikindustrie, die Schmerzen brachten sie langsam um. Es gab Tage, an denen sie vor Schmerzen weinte und schrie. G. tourte weiter, wie eine antike griechische Marmorstatue auf Rädern trotzte sie über Jahrzehnte dem Wind und den Wintern gefangen auf ihrem Sockel, die Schmerzen wie Speerspitzenstiche der edlen Ritter, die sie beschützen sollten, die sich doch gegen sie wandten und sich jeden Tag immer mehr in ihr Fleisch bohrten, um den Erwartungen ihrer Fans und der Musikmaschinerie zu entsprechen, letztendlich alles eine Frage des Geldes und der Macht. Die Schmerzen, tief im Innern, die sie manchmal für kurze Zeit zum Aufhören zwangen, waren die einzigen, die sie spüren ließen, dass sie am Leben war. Die Sehnsucht nach Liebe tötete sie, je erfolgreicher sie wurde, desto einsamer wurde ihr Leben.

Robyn war da für Whitney Houston, die starke Frau an ihrer Seite, die sie liebte. Dann kam Bobby, der das Gerücht in die Welt setzte, dass Robyn und Whitney ein Liebespaar wären, das die schwarze Gemeinde damals nie eine lesbische Beziehung akzeptiert hätten. In der Öffentlichkeit existierten einfach keine lesbischen Paare und schon gar nicht Whitney und Robyn. Drogen-Bobby heiratete Whitney und Robyn musste gehen, sie liebten sich, danach ging auch Bobby, nachdem die Taschen mit Dollars gefüllt waren, brach ihr das Herz und die einsame, suchtkranke Whitney verlor den Halt, lief mit Drogen und Alkohol dem Tod entgegen. 

Der Vater verklagte sie, wollte noch mehr Millionen. Keiner war wirklich da für sie, ihre einzige Freundin wurde vertrieben. Sogar nachdem ihre Bankkonten sich im sechsstelligen Bereich bewegten, schlachteten sie Whitney aus, ihr Tod war profitabel. Selbst ihre einzige Tochter, das sich zum verlorenen Schwan entwickelte, die Schönheit und das Talent der Mutter bewunderte, war nicht stark genug, um mit den Geldgierigen zu leben und entschied sich drei Jahre nach ihrer Mutter mit einer Überdosis für den Tod. 

A. verehrte und liebte G. für das, was sie erreicht hatte, für ihre Stimme, für ihre Persönlichkeit, unangepasst, laut, direkt, sensibel, verletzlich, revolutionär. A. war wie G. 

Die Menschen des 21. Jahrhunderts lernten nichts aus der Geschichte, von Neid und Missgunst stigmatisiert, die Masse und die Musikindustrie töteten diese sensiblen begnadeten Künstler, saugten sie aus und weinten dann an ihrem Grab. Heuchler. 

Jennis Joplin, Jimmy Hendrix, Marylin Monroe, Romy Schneider, Elvis Presley, Curt Cobain, Michael Jackson, Whitney Houston, Amy Winehouse, Avicii und viele andere, die noch folgen werden.  

Die Gier nach Macht und Geld brachte sie um, sie mussten funktionieren, ob sie wollten oder nicht, dabei waren sie “nur“ Künstler, sensible Seelen, die in ihrer Kunst verstanden werden wollten, Freigeister, Gegenschwimmer, Unkonventionelle, die alles gaben für ein bisschen Liebe und sie nahmen ihnen alles, ihr Leben und ihr Werk.

Dali’s Muse – The Big G.

a short story by Angelika Toma

A. didn’t want to be like her, although there was a bit of The Big G. in her, too. Too soon to die, she was one of the world’s most gifted and gifted pop singers as escaped from Dali’s paintings. His muse, he would admire her, a creature of God, a pure-hearted girl, now a successful and broken woman, begging for love and approval, for a man who will love her and live with her fame, a strong, young, wise man. A contradiction? Were there not enough young, strong, wise men admiring young, successful, strong women, especially after they lost the rose-colored glasses and they got over it and they disappeared goodbye and only filled the front page of a gossip column. She didn’t want the strong, older, wise men. Few who understood and could endure the life of an extraordinary star. Jennis Joplin, Marilyn Monroe, Romy Schneider, Whitney Houston, Amy Winehouse also craved a lifetime for love, for Mr Right who stayed with them, who loved them as they were, with the media frenzy, the daily schedules, the psychoses, the pain, the constant turmoil and the great pressure to stay successful and be fair to their fans.

The Big G. turned in and around the wheel. Fame, success, millions of fans and 90 million albums sold, she couldn’t escape. The Big G. Machine had to work by all means. Every day she lived with the fear of not doing justice to her fans, not disappointing them, although the fans killed her a little more every day because they were screaming for new songs and performances, they wanted to see them, they were tugging at her when the bodyguards didn’t surround her like a protective shield at the concerts, G. here, G. there, another autograph, another selfie, they would tear her apart because she embodied what they couldn’t be themselves. Only the blood of suffering and glory they would not be able to keep as a trophy and make them disappear in the jaws of greed.

Dali’s surrealist muse who gave them hope and aspirations to be different like The Big G. to live their dream, achieve their goal of becoming famous with a mansion in Malibu, an apartment in New York on Central Park and in the Swiss Alps to surround yourself with VIPs. The Big G.’s life was out of reach for them because they never got the chance or learned the discipline with which G. pursued their dream. She fought every day to be lucky enough to be in the right place, nothing was given to her.

Her parents were not wealthy and never home because of their work. Drugs became her companion, after which her father broke off contact with her. She was laughed at because she wasn’t like the others, didn’t conform. Good this way.

A. didn’t either.

Everyone projected their unfulfilled dreams and wishes onto G., everyone wanted to be like her. The pressure, the fans, the music producers, the music industry, the pain was slowly killing her. There were days when she cried and screamed in pain. G. continued to tour, like an ancient Greek marble statue on wheels, for decades she braved the winds and winters trapped on her pedestal, the pains like spear stabs from the noble knights who were supposed to protect her, who turned against her and every day always digging more into their flesh to fit the expectations of their fans and the music machine, it’s all a matter of money and power in the end. The pains, deep inside, that sometimes forced her to stop for a short time, were the only ones that let her know that she was alive. The longing for love killed her, the more successful she became, the lonelier her life became.

Robyn was there for Whitney Houston, the strong woman at her side who loved her. Then along came Bobby, who started the rumor that Robyn and Whitney were lovers and that the black community at the time would never have accepted a lesbian relationship. Lesbian couples just didn’t exist in public, and certainly not Whitney and Robyn. Drug Bobby married Whitney and Robyn had to go, they loved each other, then Bobby left too, after the pockets were filled with dollars, her heart broke and the lonely, addicted Whitney lost her footing, ran towards death with drugs and alcohol.

Robyn was there for Whitney Houston, the strong woman at her side who loved her. Then along came Bobby, who started the rumor that Robyn and Whitney were lovers and that the black community at the time would never have accepted a lesbian relationship. Lesbian couples just didn’t exist in public, and certainly not Whitney and Robyn. Drug Bobby married Whitney and Robyn had to go, they loved each other, then Bobby left too, after the pockets were filled with dollars, her heart broke and the lonely, addicted Whitney lost her footing, ran towards death with drugs and alcohol.

The father sued her, wanted more millions. Nobody was really there for her, her only friend was expelled. Even after their bank accounts were in the six figures, they cannibalized Whitney, her death was profitable. Even her only daughter, who became the lost swan who admired her mother’s beauty and talent, wasn’t strong enough to live with the money greedy and chose to die from an overdose three years after her mother.

A. admired and loved G. for what she had achieved, for her voice, for her personality, nonconformist, loud, direct, sensitive, vulnerable, revolutionary. A. was like G.

21st century people learned nothing from history, stigmatized by envy and resentment, the masses and the music industry killed these sensitive gifted artists, drained them and then cried at their graves. Hypocrite.

Jennis Joplin, Jimmy Hendrix, Marylin Monroe, Romy Schneider, Elvis Presley, Curt Cobain, Michael Jackson, Whitney Houston, Amy Winehouse, Avicii and many more to come.

The greed for power and money killed them, they had to function whether they wanted to or not, but they were „only“ artists, sensitive souls who wanted their art to be understood, free spirits, anti-swimmers, unconventional people who gave everything for one little bit of love and they took everything from them, their life and their work.