NEULAND – Traumabewältigung?

Sozialpolitische Themen sind ein Teil meines Werkes. Inspiriert durch Skizzen in der Aktmalerei bei Prof. Markus Lüpertz im Juli d. J., malte ich Wochen später diese zwei Bilder, es entstand eine Serie. Es geht um sexuellen Missbrauch, ein Thema, worüber ich als Erwachsene in meiner Familie erfuhr, dass meine Schwester, die 12 Jahre älter als ich war, missbraucht wurde. Sie wurde krank, es zerstörte ihr Leben, sie sollte sich nie wieder davon erholen. 

Die Farben der Bilder sind überwiegend flach angelegt, die Malerei nüchtern, nichts wird „schön ausgeschmückt“, kein Licht oder Schatten, keine Körperlichkeit der Flächen. Unbewusst malte ich Zitronen in den Skizzen und Bildern. Warum? Über die Bedeutung der Zitronen wollte ich mehr wissen, wieso ich ausgerechnet auf die Zitrone kam, also las ich auf Google, laut KI stand folgendes: “Die Bedeutung der Zitronen ist vielseitig, reicht von der Darstellung der Reinheit und Fruchtbarkeit über die Symbolik der Sonne, der Erneuerung … In der Kunst und Kultur kann die Zitrone auch eine tiefere symbolische Bedeutung für das Leben selbst, den Sündenfall und die Erlösung haben.“ Also widmete ich ihr ein Objekt aus Glas, das einerseits die Schwere der Last, andererseits die Zerbrechlichkeit durch den Missbrauch symbolisieren soll.

Dem sexuellen Missbrauchs widmete ich 2024 eine Ausstellung in der Galerie des atelier22 “Sünde ohne Sühne – Toxische Patriarchate” gemeinsam mit meiner Künstlerkollegin Monika Stahl aus Klosterneuburg. Der Auftakt zur Ausstellung sollte eine Kunstaktion auf dem Rathausplatz Gmunden sein, die uns allerdings vom Bürgermeister und dem Kulturdezernenten der Stadt Gmunden verboten wurde, wie es später hieß “Helnwein geschädigt”, weil Helnwein im Vorfeld drei große Banner im öffentlichen Raum zeigte, eine bewusste Provokation, die nachdenklich machen sollte und auf Social Media einen Shitstorm auslöste. Wir zeigten dann trotzdem die Performance und die Bilderausstellung in der Galerie.

Die Zahlen von Missbrauch, Vergewaltigungen und Femizide verdoppelten sich in den letzen Jahren. Durch die gemalten Bilder versuche ich das Trauma in unserer Familie zu verarbeiten, einen stummen Diskurs mit den Betrachtern zu entfachen, vielleicht ein Neuland für manche, das eigentlich keines ist.

Neuland – Eine Gruppenausstellung des HKK im Kulturmodell Bräugasse in Passau, Vernissage am 02.10.2025, 19 Uhr, Dauer und Öffnungszeiten 03. – 26.10.2025, Dienstag – Sonntag 15 – 17 Uhr.