Wer ist Banksy? Es ist vielleicht die meist gestellte Frage in der heutigen Kunstwelt, weil nur wenige seine wahre Identität kennen. Banksy ist ein Pseodonym des britischen Streetart-Künstlers und Malers, er soll in 1973 oder 1974 in Bristol, England geboren sein. Es wird spekuliert, dass Banksy der Schweizer Künstler Maître de Casson ist, andere halten ihn für eine Frau oder sogar Teil eines Künstler Kollektivs. Durch seine Schablonengraffiti, die er auf der ganzen Welt hinterließ, erlangte Banksy internationale Bekanntheit. Laut Wikipedia bedient er sich der Taktiken der “Kommunikationsguerilla“, eine Form des Aktivismus bei der gezielt Informationen oder Desinformationen gesetzt werden, um Ziele zu erreichen oder um eine alternative Sichtweise auf wirtschaftlichen und politischen Themen zu verbreiten. Ob es wirtschaftliche, politische Themen oder Umweltthemen sind, in seinen Arbeiten ist er kritisch, provokativ, seine bildnerischen Aussagen bringen es m.E. auf den Punkt, seine Werke benötigen keine Analyse oder weitere Kommentare, sie sind klar und deutlich.

In der Vergangenheit hing er unautorisiert eigene Bilder in Museen wie im Museum of Modern Art, in der Tate Modern, im Louvre, organisierte eigene Ausstellungen, weil er dem Kunstmarkt gegenüber kritisch ist. Seine Ablehnung des Kunstbetriebs demonstrierte eine Aktion in New York im Oktober 2013, bei welcher Bilder zu Schnäppchenpreisen an unwissende Laien verkauft wurden. In diesem Jahr hielt sich Banksy einen Monat lang in New York und verwandelte die ganze Stadt in eine Galerie und Kunsthappening. Während dieser Aktion namens „Better Out Than In“ erschien jeden Tag ein neues Banksy Werk. Aufsehen erregte unter anderem eine Aktion, bei der ein älterer Herr echte Banksy-Arbeiten, die einen Marktwert von schätzungsweise 32.000 US-Dollar hatten, vor dem Metropolitan Museum für nur 60 US-Dollar verkaufte. 2015 veröffentlichte Banksy das Video aus dem Gazastreifen „Make this the year YOU discover a new destination“, in dem er satirisch auf die Zerstörung in dem Gebiet hinweist.

Im Oktober 2018 „zerstörte“ sich die untere Hälfte seines Bildes „Girl With Balloon“ durch sauberen Streifenschnitt unmittelbar nach dem Verkauf für gut eine Million Pfund im Rahmen einer Londoner Auktion indem der untere Bildteil durch einen im Rahmen versteckten Schredder gezogen wurde. Banksy hatte verlauten lassen, dass es sich um Kritik am Kunstmarkt handle. Ein Video dazu gab an, dass ursprünglich das gesamte Bild zerstört werden sollte, dies wurde allerdings durch eine Fehlkonstruktion des Schredders verhindert.Die Käuferin übernahm das Bild trotzdem zum gebotenen Preis. Es erhielt den neuen Namen „Love is in the bin“und 2021 wurde es für 16 Millionen Pfund versteigert.

Zur Rettung schiffbrüchiger Flüchtlinge vor dem Ertrinken und vor dem Zurückschieben ihrer Schlauchboote nach Libyen finanzierte Banksy das Seenotrettungsschiff Louise Michel.Am 18. August 2020 startete das 27 Knoten schnelle Schiff vom spanischen Hafen Burriana in sein Einsatzgebiet im Mittelmeer. Das Schiff ist mit Motiven von Banksy in hellrosa Farben gestaltet.

Letzte Woche besuchte ich die Ausstellung „The Mystery of Banksy – A Genuis Mind“ in der Tabakfabrik Linz, Oberösterreich, eine sehenswerte Ausstellung mit über 100 Reproduktionen, Installationen und Videos des Streetart-Künstlers und Malers. Ich fühlte mich sofort “Zuhause“, in Banksys Welt der Freiheit der Kunst, des Denkens, der Unangepasstheit und „des Fingers in die Wunde legen“. 

Ein Gedanke machte sich breit: Ginge es uns nicht viel besser, wenn viel mehr „unangepasste“ Menschen unter uns lebten, die kritisch ihre Stimme erheben, ihr Tun oder ihre Kunst in die Welt tragen, aufrütteln, klar und deutlich sagen, was sie denken, ohne Angst, Konsequenzen fürchten zu müssen, ihren Kindern genau das vorleben, damit sie auch eines Tages, das sagen, was sie denken und fühlen, so leben, wie sie es für richtig halten und das leben, was sie sind, ohne sich verstellen zu müssen? Lebten wir dann nicht gesünder, weil wir das sagen, was wir denken und fühlen?

In diesem Sinne, sagt, was ihr denkt, fühlt und lebt, was ihr seid. – Ich würde mich auf eure Beiträge zu diesem Thema freuen, schreibt mir unter info@atelier22.net, danke und bis bald, eure Angelika Toma, Malerin, Autorin, Europäerin und Kosmopolitin.