Gerhard Richter und seine Landschaften im Kunstforum, Wien – weltweit die erste Ausstellung, die dieses Genre umfassend beleuchtet. Wer kennt ihn nicht, diesen Multi-Stil-Talent-Künstler, ursprünglich aus Dresden und heute Köln, wo er lebt und arbeitet. Ein Öffentlichkeit scheuer Mensch, wie viele andere Künstler auch und eigentlich, was sollen Künstler zu ihrer Kunst erzählen? Die Bilder, ihre Liebe für das, was sie tun, sprechen für sich. Die Frage stellt sich dann nur, berühren Sie uns? Natürlich.

Florian Henckel von Donnersmarck versucht in seinem Oskar nominierten Film „Werk ohne Autor“ (2018) Richters Leben “nachzufühlen“, meiner Meinung nach großartig gelungen. Nicht nur die Parallele zu Richter gelingt Florian Henckel von Donnersmarck in den kunstvollen Sequenzen des Films, auch die Ähnlichkeit zu so vielen anderen Künstlerleben, die an ihrem Werk (ver)zweifeln oder sogar daran zerbrechen.

Nach der zweiten Coronawelle öffneten die Museen in Österreich und ich war am 10.12.2020 in Wien dabei. Manche seiner Landschaften waren bis dahin der Öffentlichkeit noch nicht gezeigt worden – große realistisch und abstrakt gemalte Ölgemälde, aber auch Druckgrafiken. Ich spürte seine  „Sehnsucht“ und seinen „Traum nach klassischer Ordnung und heiler Welt“, wie er selbst sagt und seine Landschaften als „Kuckuckseier“ bezeichnet, da sie als „romantisch empfunden werden“. Teilweise sind seine Bilder nach Fotos gemalt oder in Form „fiktionaler Konstrukte“, die eine „Totalität der Natur“ suggerieren und „die jede reale Erfahrung übersteigen“. Das konnte ich selbst in seinen Landschaften nachempfinden,  in den harmonischen, gedämpften Farben, wie in einem Traum von unbekannter, noch nicht erfahrener Natur.